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TV Premiere

September  2018 / 5 Kommentare deaktiviert für TV Premiere

Gestern war auf ORF III die TV Premiere des Films „Ein Leben für die Steiermark“. Anbei der Link zu einem Beitrag der gestrigen Sendung „Steiermark heute„.

Weiters eine ausführliche Beschreibung dieses umfangreichen Films:

Ein Leben für die Steiermark – Die Czernys und das Werden des Landes

Die steirische Unternehmerfamilie Czerny waren Verbündete von Erzherzog Johann bei der Modernisierung der Steiermark. Regisseur Roland Berger erzählt in einer aufwändigen Spieldokumentation die Meilensteine des steirischen Werdens aus der Perspektive dieser Bürgerfamilie.

Beitrag aus Erbe Österreich: Ein Leben für die Steiermark – Die Czernys und das Werden des Landes, 04.09.2018

Erbe Österreich: Ein Leben für die Steiermark – Die Czernys und das Werden des Landes

Dokumentation, 2018

Dienstag, 4.9.2018, 20.15 Uhr
Wh. Mi 00.05 Uhr, Do 00.25 Uhr,
Sa 01.35 und 11.40 Uhr

Mit viel Geschick und Ehrgeiz manövrierten die Firmenchefs des Papierherstellers Czerny ihr Unternehmen durch die Jahrhunderte, von den napoleonischen Kriegen über die Revolution von 1848, das Ende der Monarchie, den „Anschluss“ und den Zweiten Weltkrieg.

Der aus einfachen Verhältnissen stammende Familienpatriarch Victor Czerny (1896-1945) (Wolfgang Dobrowsky) betreibt ein Hammerwerk in der Obersteiermark. Es ist das Zeitalter der industriellen Revolution. Während sich Czerny mit den Reformideen Erzherzog Johanns (Martin Buchgraber) konfrontiert sieht, kommen auf die nachfolgende Generation Herausforderungen ganz anderer Art zu. Sein Sohn Alfred Czerny (1934-2013) (Helmut Berger) ist ein enger Freund Peter Roseggers (1843-1918) (Johannes Silberschneider) und lebt in einer Zeit des immer stärker werdenden Nationalismus, welcher Peter Rosegger schließlich den Literaturnobelpreis kosten und die Steiermark in den Ersten Weltkrieg führen wird. Der gesellschaftspolitische Wandel der damaligen Epoche spiegelt sich in den innerfamiliären Konflikten der steirischen Unternehmerfamilie Czerny wider. Dabei geraten nicht nur die Generationen in Konflikt miteinander, sondern auch die Geschlechter.

Ein Leben für die Steiermark - Die Czernys und das Werden des Landes
Wolfgang Dobrowsky als Victor Czerny

Die Enkel der Gründerfamilie, das Geschwisterpaar Alfried und Margarethe, erleben den Ersten Weltkrieg, die Wirtschaftskrise der Zwischenkriegszeit sowie den langen Kampf für die Rechte der Frauen. Margarethe strebt nach höherer Bildung und fordert ein Mitspracherecht im Unternehmen ein. Tatsächlich ist sie es, die mit großem Geschick die Firma leitet, als Alfried einrückt. Zurück aus dem Krieg, macht er seinen Führungsanspruch jedoch geltend.

In der krisengeschüttelten Zwischenkriegszeit trennen sich auch ideologisch die Wege der Geschwister, was sich bis in den Zweiten Weltkrieg hinein fortsetzt. Wie soll man sich angesichts der politischen Lage verhalten: Kollaboration oder Widerstand? Wie steht es um die soziale Verantwortung der Unternehmerfamilie Czerny? Während Alfried mit den Nationalsozialisten kollaboriert, setzt Margarethe auf Boykott. Beruflich wie privat stellt das für die zwei Geschwister eine Zerreißprobe dar, die mit Kriegsende noch lange nicht vorbei ist.

Ein Leben für die Steiermark - Die Czernys und das Werden des Landes
Johannes Silberschneider als Peter Rosegger

Darsteller:
Helmut Berger (Alfred Czerny)
Margarethe Tiesel (Margarethe Czerny)
Johannes Silberschneider (Peter Rosegger)
Franz Buchrieser (Radmeister)
Martin Buchgraber (Erzherzog Johann)
Thomas Sima (Sekretär Erzherzog Johanns)
Henrietta Rauth (Margarethe Czerny jung)
Bianca Wächter (Emma Czerny)
Wolfgang Dobrowsky (Victor Czerny)
Michael Rast (Alfried Czerny)
Sebastian Mock (Alfried Czerny jung)
Daniel Doujenis (NS Offizier)
Otto Beckmann (Giovanni Lucarelli)
u. a.

Ein Leben für die Steiermark - Die Czernys und das Werden des Landes
Martin Buchgraber als Erzherzog Johann
Ein Leben für die Steiermark - Die Czernys und das Werden des Landes

ORF/Roland Berger Film Mokino

Die Familie Czerny:

Viktor Czerny, Hammermeister und Unternehmensgründer
Nach den Napoleonischen Kriegen war die steirische Wirtschaft am Boden. Erzherzog Johann reformierte das Land im wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Bereich. Einer, der die Absichten des Erzherzogs teilte, war der Hammermeister Viktor Czerny. Erzherzog Johann erwarb in Vordernberg ein Radwerk – also einen Hochofen zur Eisengewinnung. Um die rückständige Region zu modernisieren, war es nötig, die Gewerken gemeinschaftlich zu organisieren, was dank des unermüdlichen Einsatzes Viktor Czernys auch gelang. Die Eisenproduktion stieg erheblich und steirisches Erz wurde sowohl im In- als auch im Ausland wieder konkurrenzfähig. Das Aufblühen der Industrie führte dazu, dass sich die Bevölkerung der Steiermark in der Zeit von 1849 bis 1914 verdoppelte: von 600.000 Einwohnern auf über 1 Mio. Doch es kam zwischendurch auch immer wieder zu wirtschaftlichen Einbrüchen. So mussten nach dem „Schwarzen Freitag“ 1873 über 100 Unternehmen an der Wiener Börse Insolvenz anmelden. Die nachfolgende Wirtschaftskrise traf auch Viktor Czerny, der mittlerweile mehrere Hammer- und Eisenwerke besaß und sich gezwungen sah, alle Arbeiter zu entlassen. Allein, dass er vorausschauend einen umfangreichen Waldbesitz erworben hatte, rettete ihn vor der Insolvenz.

Alfred Czerny, Viktor Czernys Sohn, baute das Familienunternehmen aus. Er gründete mehrere Zulieferbetriebe für die Holzstoffindustrie. Dies markierte den Beginn der Czerny AG, aus der einer der größten Zulieferer für Papier- und Schreibwaren in ganz Europa werden sollte.
Ab den 1870er Jahren verstand sich die Steiermark als ein starker Außenposten des Deutschtums. Die Anhänger der nationalen Idee sahen innerhalb des Vielvölkerstaates der K&K-Monarchie die deutsche Kultur und Sprache bedroht. So wurde Graz zu einem Zentrum des Deutschnationalismus, der durch Vereine wie den „Deutschen Schulverein“ getragen wurde. Dieser fand besondere Unterstützung durch den populären steirischen Heimatdichter Peter Rosegger, der 1909 einen berühmt gewordenen Spendenaufruf verfasste. Zu Roseggers Vertrauten zählten etliche Industrielle, darunter Alfred Czerny. Dessen Tochter Margarethe strebte – gegen den Willen ihre Vaters – eine höhere Ausbildung an und wandte sich deshalb Hilfe suchend an Rosegger, der sich für sie einsetzte.

Margarethe Czerny, Tochter von Alfred Czerny
Margarethe wurde als Frau von ihrem patriarchischen Vater gering geschätzt. Mit ihrer zugewiesenen Rolle als Ehefrau und Mutter wollte sie sich nicht abfinden. Sie strebte nach Bildung und Anerkennung, um sich in der männlich dominierten Welt zu behaupten. Dafür beschritt sie neue Wege, setzte sich für die Nöte der Arbeiter ein, studierte und leistete Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Während des Ersten Weltkriegs übernahm sie die Firmenleitung, musste diese jedoch wieder abgeben, als ihr Bruder Alfried aus dem Krieg zurückkehrte. Ihr Kampf um Gleichbehandlung und Anerkennung stand stellvertretend für viele Frauen jener Zeit.

Ein Leben für die Steiermark - Die Czernys und das Werden des Landes
Henrietta Rauth und Sebastian Mock als die jungen Czernys

Alfried Czerny – Sohn von Alfred Czerny
Alfried, der spätgeborene Sohn, wurde seiner Schwester gegenüber in jeder Hinsicht bevorzugt und sollte die Firma übernehmen. Doch zunächst begab er sich voller Enthusiasmus in den Ersten Weltkrieg. Nach seiner Rückkehr fand sich Alfried in einer Welt wieder, die seinen Prinzipien von Grund auf widersprach. Die alte Ordnung war zusammengebrochen. Das Ende der Monarchie sowie die Frauenbewegung waren ihm ein Dorn im Auge. Die Übernahme des Familienunternehmens bot ihm die Möglichkeit, seine Erfolglosigkeit und Ohnmacht zu kompensieren. Alfried kooperierte mit den Nationalsozialisten und ließ den Teilhaber der Firma und Verlobten seiner Schwester von der Gestapo verhaften. Während des Zweiten Weltkriegs unterstützte er das Vorhaben, das Unternehmen in den deutschen Rüstungsbetrieb einzugliedern.

Emma Czerny – Tochter von Alfried Czerny
Emma war stark von ihrer Tante Margarethe beeinflusst. Sie entwickelte sich zu einer selbstbewussten, selbstständigen Frau und unterstützte ihre Tante im Widerstand gegen den Nationalsozialismus.
Sie übernahm die Firmenleitung von ihrem Vater und baute das Familienunternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf.

Dokumentation, 2018