Meine geliebten Geliebten

„Ich habe immer das Gegenteil von dem gemacht, was mir geraten wurde!“ Dieser Ausspruch stammt nicht von mir, sondern von Niki Lauda. Eine Aussage an der ich mich heute gerne orientiere, obgleich das nicht immer so gewesen ist.

In der Vergangenheit war ich zwar mitunter taub, wenn es um Entscheidungen in meinem Leben ging und bin jedoch auch auf Taubheit in meinem Umfeld gestoßen. Vieles, was die anderen mir geraten haben, habe ich beherzigt und wunschgemäß umgesetzt. Dabei überhörte und ignorierte ich meine innere Stimme, welche mich geduldig in einem langen und harten Lernprozess eines besseren belehrte.

Mein erstes markante Ereignis in dieser Richtung war die Wahl meines Studiums.

„Schau, dass Du was „Gscheites“ studierst! Inskribiere bitte keinen Schmarren! Denke an Deine Zukunft!“ So lautete die externe, flehende Motivation der Verwandtschaft. Ich habe gehorcht und im Sinne der generationen-übergreifenden Tradition gescheit entschieden. Ich habe Jus inskribiert und brav fertiggemacht – nicht nur das Studium, sondern auch mich. Abseits des Studiums gewann ich in verschiedenen Sport- und Theatergruppen Freunde fürs Leben und verlor meine Haare voller Fassungslosigkeit in der Verfassungsvorlesung.
Nach dem Studium absolvierte ich mein Rechtspraktikum. 

„Schau bitte, dass Du zur Justiz kommst! Der Verein ist bombensicher!“ Wieder ein wertvoller familiärer Hinweis. Diesmal war ich schon ein bissl tauber. Ich absolvierte das Gerichtspraktikum, merkte schnell, dass diese Berufssparte nichts für mich war. Ganz im Gegenteil, ich spielte mit einem musikinteressierten Richter so laut Gitarre „A Mensch möcht i bleibn“, dass eine Verhandlung im Nebenraum wegen uns unterbrochen werden musste. Danach flog ich zwar nicht aus der Justiz, aber weiter auf der Suche nach meinem beruflichen Weg.
Ich landete als Projektmanager in der Wirtschaft. Kein ganz erfüllender 40 Stunden Job für mich, aber auch überhaupt nicht unsinnig. Ich lernte hier meine spätere Frau kennen und lieben. Bald schon teilten wir uns eine kleine Wohnung. Ich kündigte meinen Wirtschaftsjob und dann stand ich da. Kein Geld, kein Job dafür voller Liebe und Visionen. Ich wollte endlich zum Theater.
Wieder wurde ich von vielen Seiten gedrängt: 
„Wie lang willst du dir das noch antun? Hast ja was Gescheites gelernt. Kann man von sowas überhaupt leben?“
Jetzt war ich richtig taub geworden und endlich auf beiden Ohren taub geblieben.
Dabei hörte ich stets den Ruf meiner heimlichen, alten Geliebten und langjährigen Lebenswegbegleiterin. Viele wussten, dass es sie gibt, aber so richtig vorgestellt habe ich sie kaum jemandem.
„Ob meine neue Geliebte, meine alte Geliebte jemals akzeptieren würde?“

Ja. Meine ewig junge Frau und meine ewige, alte Geliebte – das Theater- sie harmonieren perfekt und erfreuen sich am gemeinsamen Dasein. Und noch einmal denke ich an Niki Lauda, der einst meinte:
„Die Zukunft ist heute und nicht gestern.“